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Florian Fiedler: Oberhausener Intendant will "keine humorlosen Abende"

OBERHAUSENEr ist 40 Jahre jung, und doch schon ein „alter Hase“ im Theatergeschäft: Nach Stationen in Hamburg, Basel und Hannover leitet Florian Fiedler ab dieser Saison das Theater Oberhausen. „Aufs Ruhrgebiet hatte ich sowieso Bock, schon lange“, sagt Fiedler in seiner flapsigen, burschikosen Art.

Oberhausener Intendant will "keine humorlosen Abende"
Neuer Intendant, neuer Theaterschriftzug: Florian Fiedler posiert locker vor seinem Haus. Foto: Stübler

Seit „in Bochum Opel dichtmachte und Nokia davor“ habe ihn beschäftigt: „Was passiert hier eigentlich mit den Leuten“? Und dann, so Fiedler, „hatte ich einfach Lust, mich und die Arbeit, die ich tue noch mal neu zu erfinden“, als Intendant, der sein Haus selber mitgestalten könne.

Da hat er übrigens bereits Zeichen gesetzt, indem er sein eigenes Gehalt reduzierte, um damit Berufsanfänger am Theater besser bezahlen und auch Männer und Frauen finanziell gleichstellen zu können. Das große Intendantenbüro, in dem noch sein Vorgänger Peter Carp residierte, hat er seinen Dramaturginnen überlassen. Er sitzt im kleinen Zimmer nebenan.

Intendant ist Kontakt zum Publikum wichtig

Das Theater Oberhausen will Fiedler zu einem „zentralen Anlaufpunkt für die Stadt und für die Themen, die es zu verhandeln gilt“, machen. Es soll ein „Biotop für Diskussionen, Gedanken und Anstöße“ werden. Wichtig ist ihm deshalb der Kontakt zum Publikum über Einführungen, Nachgespräche oder besondere Veranstaltungen.

Fiedler selbst ist als 14-Jähriger über einen Bühnenclub in seiner Heimatstadt Hamburg zum Theater gekommen. Weil keine Rolle frei war, habe er souffliert. Und dann habe er auch schon mit dem Regieführen geliebäugelt, „weil ich immer so viel nachdenke auf der Bühne beim Spielen, und mir das so’n bisschen im Weg steht“.

Prägend für ihn wurde Frank Baumbauer, der das Hamburger Schauspielhaus damals als Intendant zu einem „Ort der Auseinandersetzung mit dem Leben, mit der Gegenwart“ machte. Nach dem Abitur sah Fiedler beim Berliner Theatertreffen Goethes „Wahlverwandtschaften“ von Stefan Bachmann und wollte von dem unbedingt lernen, „wie Theatermachen geht“.

Zwei "Theaterpapis" für den Intendanten

Gelegenheit dazu bot sich noch im selben Jahr, als Bachmann eine Inszenierung in Hamburg machte. Produktionsdramaturg war Lars-Ole Walburg. Mit Bachmann und Walburg ging er 1998 für drei Jahre als Regieassistent ans Theater Basel, mit Letzterem nach Jahren als freier Regisseur 2009 nach Hannover. „Meine beiden Theaterpapis“, nennt er sie scherzhaft.

Für Furore sorgte Fiedler 2003 am Volkstheater München mit der Inszenierung der „Jagdszenen aus Niederbayern“ von Martin Sperr, für die er den „Kurt Hübner Preis für junge Regie“ erhalten und von Kritikern zum Nachwuchsregisseur des Jahres gewählt worden ist.

Fiedler zeigt "besonders intensive Arbeit"

Eine weitere „besonders intensive Arbeit“ war Ibsens „Ein Volksfeind“ von 2007, weshalb Fiedler sie in dieser Spielzeit auch noch einmal den Oberhausenern zeigen wird. Bei allem „sehr ernsthaften Umgang“ mit den Stücken, betont Oberhausens neuer Intendant: „Ich glaube, es gibt keinen völlig humorlosen Abend von mir“.

Das stellt er gleich am 22. September mit seiner Eröffnungspremiere „Schimmelmanns. Verfall einer Gesellschaft“ von Mario Salazar unter Beweis, „die erst mal sehr, sehr lustig daherkommt. Aber das Anliegen ist eigentlich ein sehr, sehr ernsthaftes…“


Zur Person Florian Fiedler:

Florian Fiedler wurde am 23. Mai 1977 in Hamburg geboren. Seine erste Inszenierung realisierte er 2000 am Theater Basel mit Tänzern des Ensembles von Joachim Schlömer. 2004 wurde Fiedler bei der Kritikerumfrage von „Theater heute“ zum Nachwuchsregisseur des Jahres gewählt.

Seit 2009 war er Hausregisseur am Schauspiel Hannover, dort seit 2011 auch Leiter des „Jungen Schauspiels“. Am Theater Oberhausen stellt er sich am 22.9. als Intendant mit der Uraufführung „Schimmelmanns..“ von Mario Salazar vor.

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