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Eine zweite Chance: Galinska will beim BVB endlich wieder spielen

DORTMUNDDer BVB ist so etwas wie eine zweite Chance für Emilia Galinska, ein Neuanfang in Deutschland und der Handball-Bundesliga. Ihre schwierige Zeit bei der Neckarsulmer Sport-Union mit nur wenigen Einsätzen will die 24 Jahre alte Polin endlich hinter sich lassen. Und bislang läuft es eigentlich ganz gut für sie.

Galinska will beim BVB endlich wieder spielen
Borussia Dortmund veröffentlichte am Donnerstag um Punkt 19.09 Uhr sein offizielles Mannschaftsfoto zur kommenden Saison. Foto: BVB

Ganz am Anfang des Gesprächs, und Emilia Galinska scheint das wichtig zu sein, bittet sie kurz um Entschuldigung für ihr „Deutsch, das noch nicht so gut“ sei, wie sie meint. Sie sagt das ohne irgendeinen Fehler, und wer sie reden hört, mag ohnehin kaum glauben, dass sie erst seit gut einem Jahr in Deutschland lebt und sich die Sprache mehr oder weniger selbst beigebracht hat.

Die 24-Jährige sitzt auf einer Holzkiste in einer alten Industriehalle im Stadtteil Hombruch, als sie von ihren Zielen, aber auch von ihrer Vergangenheit erzählt, die nicht immer ganz so einfach gewesen ist. Das Crossfit-Training, das Ildiko Barna für diesen Vormittag angesetzt hatte, ist gerade vorbei. Man sieht ihr die Anstrengung der vergangenen 60 Minuten noch an, doch Emma, wie sie von Mitspielerinnen und Trainerteam gerufen wird, macht das nichts aus. Sie wirkt froh darüber, hier sein zu können und das auszuüben, was ihr so wichtig ist: endlich wieder Handball spielen.

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Mannschaftsvorstellung der BVB-Handballfrauen

Vor ein paar Monaten war die Situation eine andere. „Es war wirklich eine schwere Zeit und ich habe mich schlecht gefühlt“, gibt Emma Galinska Einblicke in ihre Gefühlswelt aus ihrer Zeit in Neckarsulm. 2016 war die Polin aus ihrer Heimat nach Baden-Württemberg in die Bundesliga gewechselt. Ein großer Schritt. Zunächst vielleicht etwas zu groß.

Weg von zu Hause

Dabei war es nicht das erste Mal, dass sich die 1,75 Meter große Polin ganz allein ins Ungewisse stürzte. Bereits im Alter von 16 Jahren hat sie gelernt, ohne ihre Familie auskommen zu müssen. Damals zog es sie aus ihrer Heimat Lukow nach Gliwice, um auf ein für Handballspielerinnen spezialisiertes Internat zu gehen. Etwa sechs Stunden Fahrzeit von zu Hause entfernt. „Man wird selbstständiger, aber es ist nicht immer einfach“, sagt Galinska. Was ihr am Ende geholfen hat? Mitspielerinnen. Freunde. Und vor allem, dass sie die Sprache gesprochen hat.

Die Reise nach Deutschland war dagegen eine Reise mit weitaus mehr Unbekannten. Eine neue Stadt, neue Menschen, eine andere Art von Handball. Und dann auch noch dieser schwäbische Dialekt. „Ich konnte ja noch nicht einmal Deutsch“, erklärt Galinska, die eigentlich ein offener Typ ist, der gerne auf andere Menschen zugeht.

Das eine führte zum anderen und am Ende schließlich zum wohl größten ihrer Probleme, nämlich zu zu geringer Einsatzzeit und zu wenig Vertrauen von den Verantwortlichen. „Ich war mir nicht mehr sicher, ob es wirklich die richtige Entscheidung war“, sagt die 24-Jährige. Denn das alles passte nicht zum Anspruchsdenken der Rückraumspielerin. Galinska spielte damals bereits für die polnische A-Nationalmannschaft – und dahin will sie auch wieder zurück. „Das ist mir wichtig, und ich hoffe, dass ich bei der WM im Dezember wieder dabei sein werde.“

"Ein Wahnsinns-Talent"

Dabei helfen will ihr nun Ildiko Barna. Die BVB-Trainerin ist überzeugt davon, dass sie bei der Borussia zu alter Form zurückfinden wird. Es war vor allem auch ein Gespräch mit dem polnischen Nationaltrainer Leszek Krowicki, das die Pläne in ihr reifen ließ, Galinska in diesem Sommer nach Dortmund zu lotsen. „Krowicki sagt, sie sei ein Wahnsinns-Talent.“

Barna, die die junge Polin in der Vorbereitung regelmäßig spielen ließ, schätzt an ihr vor allem die Fähigkeiten im Eins-gegen-eins. „Außerdem hat sie ein gutes Auge für die Kreisspielerin und verfügt neben einem guten Sprungwurf auch über einen super Überblick“. Verbessern müsse sie sich dagegen in puncto Konzentration.

Emilia Galinska muss ein bisschen lachen, als sie darauf angesprochen wird. „Ich weiß, dass ich daran arbeiten muss, um die leichten Fehler zu reduzieren“, sagt sie und tippt sich an die Stirn. Alles reine Kopfsache. In der Mannschaft kämpft sie nun vor allem mit Nadja Mansson um einen Platz. „Das wird nicht einfach“, sagt die Trainerin, die allerdings auch betont, dass die 24-Jährige ein ganz anderer Spielertyp sei und beide auch zusammenspielen können.

"Stark genug fürs obere Drittel"

Was am Ende für die Mannschaft herausspringen wird, lässt Galinska offen. „Aber ich will immer das Maximum, also will ich auch Deutsche Meisterin werden. Stark genug fürs obere Drittel sind wir.“ Zu ihrer persönlichen Situation sagt sie, dass es zunächst wichtig sei, dass sie Vertrauen spürt, und das tut sie im Moment. „Denn wenn ich das Vertrauen spüre, kann ich leichter spielen.“

Unterschrieben hat sie dennoch nur für ein Jahr. Sie wolle die Saison abwarten. Denn das Wichtigste ist: „Ich muss spielen.“ Sie sagt das übrigens in perfektem Deutsch.

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