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Frauenfußball: Lina Magull hofft bei EM auf den großen Auftritt

DORTMUNDMit der Aufstellung beim ersten EM-Vorrundenspiel gegen Schweden heute Abend könnte für Lina Magull (22) ein Kindheitstraum in Erfüllung gehen. Für die Dortmunderin ist es das erste große Turnier mit der A-Fußballnationalmannschaft. Über Deutschlands Siegchancen und Trainerin Steffi Jones hat sie mit Berit Leinwand gesprochen.

Lina Magull hofft bei EM auf den großen Auftritt
Lina Magull (l.) startet heute Abend mit den DFB-Frauen in die Europameisterschaft. Foto: dpa

Steffi Jones hat zum Trainingsbeginn jedem im Team eine Comic-Figur zugeteilt. Wer sind Sie?
Ich bin Bart Simpson. Das passt vom Aussehen her zwar nicht wirklich, aber vom Charakter her schon. Ich versuche immer, Spaß in die Mannschaft zu bringen, und hau auch gern mal einen frechen Spruch raus.


Was bedeutet es für sie in der Nationalmannschaft zu spielen und wie war der Moment, als Sie von Ihrer Nominierung erfahren haben?
Das war natürlich der Wahnsinn. Es war schon immer mein Ziel, in der A-Mannschaft zu spielen. Das habe ich auch früher in jedes Freundebuch geschrieben. Es gibt Momente, da kann ich es immer noch nicht fassen, dass ich jetzt wirklich mein erstes großes Turnier spiele. Schon allein mit der Teilnahme hat sich ein kleiner Traum erfüllt. Nun hoffe ich, im EM-Verlauf eine große Rolle spielen zu können.

23 Bilder
Kader der DFB-Frauen für die EM 2017

Sie haben ja schon mit der U 20 zweimal an einer WM teilgenommen. War das was völlig anderes?
Das waren natürlich auch zwei Riesenerlebnisse für mich, aber mit der A-Mannschaft ist das noch mal ein anderes Kaliber. Allein schon vom Niveau her. Auch die Aufmerksamkeit ist eine völlig andere.


Ist Frauenfußball in den vergangenen Jahren populärer geworden?
Auf jeden Fall. Das liegt auch daran, dass der Sport attraktiver für die Zuschauer geworden ist. Von der Athletik haben wir einen riesen Sprung gemacht und auch was das Spielerische betrifft. Die Teams tendieren jetzt immer mehr dazu, den spanischen Stil etwa von Barcelona anzunehmen, um den Zuschauern ein schönes Spiel zu bieten. Das versuchen wir jetzt auch in der Nationalmannschaft. Wir lassen einfach den Ball laufen, ohne das Tore schießen zu vergessen.


Wie sehen Sie ihre Chancen für das Spiel gegen Schweden? Die bisherige Bilanz spricht für Deutschland.
Statistisch gesehen sind wir klar der Favorit. Aber ich denke, dass beide Mannschaften das Spiel für sich entscheiden können. Es wird auf jeden Fall ein harter Kampf. In der Vorrunde sehe ich Schweden als unseren stärksten Gegner und sogar als möglichen Kandidat für den Titel. Ich bin aber von der Qualität und den Siegchancen unserer Mannschaft überzeugt.


Ist der Gruppensieg schon beschlossene Sache?
Wir sind ganz klar Gruppenfavorit. Aber es kann noch alles passieren. Gut finde ich es, dass wir den stärksten Gegner direkt am Anfang haben. Denn dadurch stehen wir schon mit einem klaren Fokus im Turnier. Aber auch Italien und Russland unterschätzen wir keinesfalls. Solche Gegner können Favoriten ganz schön ärgern. Da müssen wir aufpassen.

Was zeichnet die Nationalmannschaft aus?
Wenn man den jetzigen Kader mit dem von vor ein, zwei Jahren vergleicht, sind wir schon eine sehr unerfahrene Mannschaft. Was aber auf keinen Fall ein Nachteil ist. Denn durch die vielen jungen Talente ist ein frischer Wind ins Team reingekommen. Die Spielerinnen sind heiß auf die EM und wollen Fußball spielen. Das zeigt sich auch im Training. Jeder will den Ball haben und es herrscht eine hohe Passqualität. Wir funktionieren einfach als Team und das spürt man. Wenn ich auf dem Platz stehe, weiß ich, dass ich von Spielerinnen umgeben bin, die mich unterstützen und mit mir Tore schießen wollen.


Sehen Sie die Verjüngung des Teams durch die verletzungsbedingten Ausfälle als Chance?
Ich glaube schon. Vor allem weil sich jeder beweisen will. Dass Erfahrung nicht alles ist, hat man jetzt auch bei den Männern im Confed Cup gesehen. Junge Spieler leben noch hauptsächlich von der Gier nach ersten Erfolgen.


Wie läuft die Zusammenarbeit mit Steffi Jones? Was hat sich im Vergleich zu Silvia Neid verändert?
Die Philosophie hat sich ein Stück weit verändert. Steffi möchte, dass wir viel Ballbesitz haben, gut kombinieren. Bei Silvia Neid lag der Fokus darauf, lange Bälle zu spielen und auf einer guten Verteidigung. Ich komme super mit Steffi klar. Sie ist sehr offen und kommunikativ. Steffi ist für jeden Spaß zu haben, auf dem Platz ist sie jedoch fest in ihrer Rolle als Trainerin und setzt klare Grenzen, damit wir den Fokus nicht verlieren. Eine gute Mischung also aus Konzentration und Spaß.


Nach acht gewonnenen EM-Titeln, wie hoch ist der Erfolgsdruck im Team?
Ich verspüre keinen Erfolgsdruck. Ich lasse mich da gar nicht drauf ein. Und das beobachte ich auch bei den anderen Spielerinnen. Wir wollen jetzt einfach, dass es losgeht und das erste Spiel bestehen, um zu sehen, ob wir überhaupt bereit für den Titel sind.
 


Sehen Sie es wie Steffi Jones, dass die EM ein Jahr zu früh kommt?
Ich kann schon verstehen, dass Steffi mehr Zeit haben wollte, um uns perfekt für die EM vorbereiten zu können. Aus meiner Sicht braucht sie sich da aber keine Sorgen zu machen. Steffi hat in diesem Jahr gute Arbeit geleistet. Wir haben uns von Spiel zu Spiel immer weiterentwickelt und sind daher gut gewappnet für die EM.

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